Status Quo nach dem Dresdner Oster-Desaster

Drexler steht frei, Kainz schießt aber, Drexler beklagt sich, Kainz bittet um Ruhe. Passt ins Bild!
Drexler steht frei, Kainz schießt aber, Drexler beklagt sich, Kainz bittet um Ruhe. Passt ins Bild!

 

Es soll ja Leute geben, die nach wie vor tiefenentspannt sind, wenn es um den 1. FC Köln dieser Tage geht. Aber selbst dieser Klientel sollte spätestens nach dem gestrigen Spiel in Dresden aufgefallen sein, das wir massive Probleme in die erste Liga, an der alleine aufgrund der Schwäche der „Verfolger“ trotz allem nicht mehr zu rütteln ist, mitnehmen werden.

 

Ehrlich gesagt bin ich immer noch „schockgefrustet“ ... während mir beim HSV-Spiel aufgrund der maximal "passiven Laufbegleitung" unserer Jungs ab Beginn der zweiten Halbzeit vor Wut die Halsschlagader auszuleiern drohte, war ich dieses Mal einfach nur still, ab und zu ein wenig hämisch und stand vor lauter Kopfschütteln kurz vor dem Schleudertrauma. Von der ersten Minute an schienen die roten Böcke wenig Bock auf Feiertagsarbeit zu haben, so lustlos und unbeteiligt wirkte das Ganze. Ein erneut blutleerer Auftritt einer ausgerechnet an Ostern wieder einmal eierlosen Truppe, die zwar unangefochten an der Tabellenspitze steht, wo man aber bei der Betrachtung der Matches sich immer öfter fragt, wie es dazu überhaupt kommen konnte.

 

Die zweite Liga ist „zweitklassig“, das sollte mal bei allen ankommen

 

Man sollte nicht ungerecht sein, die Mannschaft hat zwischendurch immer mal wieder gute Spiele gezeigt, man steht nicht zu Unrecht da oben. Die Tabelle lügt nicht. Was aber die Unwahrheit ist, … ist die auch vom FC immer gerne verbreitete Mär, das es sich bei der zweiten Liga um eine „starke Liga“ hält. Die ist bei den gezeigten Leistungen aller … höhö … „Spitzenmannschaften“ ein Treppenwitz. Ja, es hat ein paar Ausnahmespiele gegeben, und Ja, Heidenheim hat in München ein tolles Pokalspiel geliefert … und Ja, der HSV hat es irgendwie ins Pokalhalbfinale geschafft. Einige Ausnahmen gibt es immer und sie bestätigen die Regel. Dennoch, unter dem Strich steht diese Liga kurz vor der Farce.

 

Der HSV dilettiert im Prinzip die gesamte Rückrunde, sah eigentlich nur bei St. Pauli und in Köln mal eine Halbzeit richtig gut aus (weil wir es zuließen, ja, regelrecht einforderten), doch die Hanseaten können stolpern wie sie wollen, sie werden einfach nicht eingeholt. St. Pauli spielt seit Monaten erbärmlich, hätte aber durch einen gestrigen Sieg tatsächlich immer noch im Kampf um Platz drei eingreifen können. Union Berlin vergibt einen Matchball nach dem anderen, verweigert so seit vielen Wochen die Ablösung des HSV vom zweiten Tabellenplatz. Nächste Woche haben die Unionisten die nächste Chance, es zu vergeigen und ich traue ihnen zu, dass sie ihren Misserfolgsweg manifestieren.  Lediglich Paderborn wirkt, als hätten sie noch Bock aufzusteigen und wäre die Hinrunde ein wenig besser ausgefallen, wären sie eigentlich der logische Tabellenführer, wenn man Leistung, Willenskraft und Engagement sieht. Dass diese Mannschaft als Neuling aus der dritten Liga kommt, sagt dann aber auch wieder alles aus.

 

Tabellenführung: Ja, aber wie?

 

Der 1. FC Köln ist also Tabellenführer dieser auch im Wortsinne extrem „zweitklassigen“ Liga und bildet sich – wenn man die Äußerungen von Spielern, Trainer und Verantwortlichen so hört – auch eine ganze Menge darauf ein. Dies färbt übrigens leider auch auf einen Teil der Fans ab, die mantramäßig wiederholen, wie geil wir doch eigentlich sind. Die üblichen Argumente sind: Tabellenführer, die meisten Tore, Top-Offensivkräfte, meiste Siege, erste Niederlage nach acht nicht verlorenen Spielen, darunter sechs Siege. So weit, so inhaltlich richtig.

 

…. und doch so falsch, was klar wird, wenn man das Ganze mal uns einem „ungünstigerem Blickwinkel“ betrachtet. Das ist ein wenig wie bei Portraitfotografie ... je nach Winkel und von oben fotografiert sieht man steil aus, aber im Profil sieht man dann das Doppelkinn (und damit die reine Wahrheit). Das vermeidet man aber gerne. Beim FC ist das auch so, man betrachtet die positiven Daten, die negativen werden ausgeblendet: 39 Gegentore, extrem langsames Mittelfeld und ebenso sprintunfähige  Defensivspieler, direkten Konkurrenten zumeist unterlegen, mit die lauffaulste Mannschaft der Liga, kein Spielkonzept, schwacher und kritikresistenter Trainer.

 

Einer schert aus: Drexlers Wahrheiten

 

Ein Faktor kommt nun noch hinzu, die Mannschaft scheint ein Charakterproblem zu haben. Jedenfalls hat Dominik Drexlers bekannte Aussage („Das machen die Stars“ als es um Interviews nach dem Spiel ging) nun etwas offengelegt, nämlich das es im Team nicht richtig stimmt. Jener Dominik Drexler, der bereits nach dem völlig vergurkten HSV-Spiel als Einziger nicht bereit war, die Leistung  - wie sonst allgemein üblich – schön- und Probleme kleinzureden und scheinbar nun einen Maulkorb erhalten hat, jedenfalls könnte man diesen Verdacht nun nach dieser Aussage haben.

Kainz schließt ab, obwohl Drexler völlig blank steht. Dieser beklagt sich, Kainz reagiert ...
Kainz schließt ab, obwohl Drexler völlig blank steht. Dieser beklagt sich, Kainz reagiert ...

Im Spiel selbst hat man das auch gesehen, als in Minute 21:50 „Keiner-weiß-warum-Stammspieler“ Florian Kainz einen uninspiriert-harmlosen Schuss aufs Tor absetzte (siehe links), anstatt den völlig blank stehenden Drexler zu bedienen, beschwerte sich dieser sichtlich (und mit Recht). Die Reaktion von Kainz? Ein deutlich sichtbares Finger an den Mund legen (übersetzt: Mund halten). Die Reaktion von Drexler darauf, ein apathisches in der Bewegung verharrendes Standbild. Nach dem Motto: „Ich glaub´s“ nicht!“

 

Bei aller berechtigten Kritik an Markus Anfang gefällt mir bei einigen Spielern die Einstellung nicht. Das fängt bei Czichos dank seinem merkwürdigen Interview nach dem HSV-Spiel an. Aber auch ein Höger, der einen Märchenvertrag besitzt, fällt durch merkwürdige Äußerungen auf. U.a. unterstützte er das "Englische Woche" Argum.... ähh, die Ausrede des Trainers nach dem HSV-Spiel. Er ist einer meiner persönlichen Favoriten auf die „Stars“ Aussage von Drexler, natürlich rein spekulativ und ohne jeglichen Beweis.

 

Einstellungsproblem?

 

Dazu kommt, die Truppe läuft immer weniger als der Gegner, ist aber wie gegen Hamburg ab Mitte der 2. Halbzeit platt. Gegen Dresden wirkte sie sogar schon zu Spielbeginn nicht richtig da.

 

Ein Timo Horn war auch schon mal drahtiger und insgesamt leistungstechnisch schon mal besser unterwegs (das sage ich als Fan von ihm). Gegen Dresden hielt er jedoch gut, wenn man das dritte Tor, als er mal wieder streng auf Linie blieb, mal außen vor lässt. Übrigens gehört er zu der „Durch et Für“ Fraktion, die letztes Jahr nach dem Schunkel-Abstieg Treue gelobte und dafür rechtschaffen gefeiert wurde. Das er ebenso wie Hector und Höger einen für Zweitliga-Verhältnisse Traum-Vertrag erhielt, der nach erfolgtem Aufstieg noch einmal „angepasst“ (sprich, verbessert) wird, ging fast ein wenig unter. Die Freude war damals groß, dass man die Spieler, die uns nach Europa brachten, gehalten werden konnten. Aber waren es nicht auch DIE Spieler, die den überflüssigen Abstieg mit zu verantworten haben?

 

Von Leverkusen übernommen? Die Wohlfühloase nun in Köln

 

Was ich damit sagen will … einige Spieler haben sich hier scheinbar eine "Wohlfühloase" eingerichtet. Nach dem Motto: "Köln, geile Stadt ... hier kann man viel Geld verdienen und sich wohl fühlen. Hier wird man sogar bei einem Abstieg gefeiert." Außerdem wird hier auch „von oben“ kaum Druck auf die Mannschaft ausgeübt, merkwürdige Argumente wie „englische Wochen“ oder Druck oder die angeblich zu hohe Erwartungshaltung der Fans werden alibimäßig vorgegeben. Spieler werden regelrecht verhätschelt. Nicht nur die alten Helden, sondern auch neue Spieler wie z.B. ein Czichos, der übrigens gerade mal seine zweite Zweitligasaison spielt (vorher nur noch unterklassiger) erhält hier mit 28 Lenzen einen sehr gut dotierten Vierjahresvertrag (!), die erste Liga kennt der Mann aber nur vom TV-Gerät. Auf seine Laufduelle mit Timo Werner und Konsorten darf man jetzt bereits gespannt sein.

 

... wenn man jetzt noch Tony Modestes Fünf plus Fünf Jahresvertrag anschaut und bewertet …

 

Kein Nährboden für Euphorie

 

All das wirkt auf mich einfach nur halb-ambitioniert und „dummer- und glücklicherweise“ wird das alles zum Aufstieg reichen, der jedoch bei mir nicht mal einen Funken Euphorie erzeugt. Denn es wird SO auf allen Ebenen einfach nicht für eine dauerhafte Erstklassigkeit reichen.

 

Dem Verein fehlt es aktuell an vielen entscheidenden Positionen an Ambitionen, Kompetenz, Weitsicht, Charakter und Entscheidungsfreudigkeit. All dies wird aber durch eine Tabellenführung kaschiert, die aus den genannten Gründen immer wieder relativiert werden muss. Und die Menschen, die Fans, …. sie spüren in immer größerer Zahl genau das. Wie soll man „Euphorie“ empfinden, wenn dahinter kein Aufbruchssignal zu sehen ist?

 

Das einzige, was ich aktuell befürchte, ist der Wiedereinstieg in den Fahrstuhl, denn man muss erstmal eine Etage höher fahren, um wieder den Weg nach unten zu nehmen. Leider sehe ich genau das voraus, wenn sich hier in Köln nicht bald einiges ändert, dann ist Abstieg Nummer sieben bereits jetzt fest vorprogrammiert. Leider!

 

Es gibt nur eines, was Hoffnung macht. Das nach erfolgtem Aufstieg und der baldigen Vorstandwahl am 8. September die Zeit noch reicht, diesen Verein neu auszurichten. Man kann nur hoffen, dass sich diejenigen durchsetzen, die diesen an und für sich großartigen Verein wieder auf die richtigen Schienen setzen.

 

Zuvor muss noch ein Aufstieg eingetütet werden ... ich hoffe, die Truppe bekommt das noch würdig hin. Nach Dresden sind Zweifel daran erlaubt, aber es wird natürlich reichen. Viel einbilden sollte man sich dann aber darauf nicht.