Der 1. FC Köln - Status Quo vor einem entscheidenden Jahr 2019

Am Donnerstag, den 31. Januar 2019 rollt auch für die Jungs vom effzeh wieder der Ball. Das wird auch Zeit, denn das „Ersatzprogramm“ aus Darts-WM, Vierschanzentournee, Wintersport allgemein und Handball-WM verliert so langsam seinen Reiz. Okay, die erste Liga spielt bereits, aber ohne den 1. FC Köln ist die auch nur maximal die Hälfte wert. Also werfen wir den Blick Richtung Geißbockheim.

 

Dort war natürlich trotz Winterpause einiges los, mit Johannes Geis wurde ein Spieler verpflichtet, der dem Champions League Club Schalke 04 noch vor wenigen Jahren 11.000.000 Euro wert war. Geis hatte in Mainz so gut gespielt, das er sogar bereits im Blickfeld der Nationalelf war. Nach gutem Beginn auf Schalke versauerte Geis aber mehr und mehr auf Bank und Tribüne des Ruhrpott-Clubs … auch eine Leihe nach Sevilla endete ohne große Fortschritte. Nun soll der Mann mit dem herrlichen FC-Namen aber aus dem Stand die Sechser-Position ausfüllen. Man kann ganz sicher davon ausgehen, dass Geis Bock hat, das auch umzusetzen. Ob aber sein Fitnesszustand da mithalten kann, wird man abwarten müssen. Trainingsbeobachtern fiel jedenfalls die etwas zurückhaltend ausgeprägte Oberschenkelmuskulatur auf, ein angeblich untrügliches Indiz für Trainings- und Wettkampfrückstand. Aber das Potenzial vorhanden ist, welches man beim 1. FC Köln auf jeden Fall brauchen kann, erscheint unstrittig.

Erstligabankwärmer = Zweitliga-Granaten?

Auch der zweite Neuzugang, Florian Kainz, hat sich dauerhaft bei Werder Bremen nicht durchsetzen können. Die linke FC-Außenbahn freut sich, endlich ein Spieler, der sich auf der Position auskennt. Der Österreicher hatte bis 2016 gute bis sehr gute Leistungen bei Rapid Wien gezeigt, weshalb Werder ihn unbedingt wollte und große Hoffnungen weckte. So recht erfüllen konnte er diese jedoch nicht und so kam er in dieser Saison bisher lediglich auf 5 Einsätze. Nun also wagt er den Neuanfang beim FC.

 

Beide Transfers kann man so und so sehen, in Liga Zwei sind es sicher Top-Transfers die die Favoritenstellung des 1. FC Köln untermauern und sogar ausbauen. Bei einem Aufstieg hat der FC jedoch zwei weitere Spieler im Kader, die für die erste Liga in den letzten beiden Jahren als zu leicht befunden wurden. In diesem Zusammenhang muss man auch den dritten Transfer sehen, denn mit Kingsley Schindler wurde – allerdings erst ab dem Sommer - einmal mehr ein Spieler von Holstein Kiel verpflichtet. Ein Mann, der seit 1 ½ Jahren auffällig gute Leistungen im Unterhaus zeigt, die erste Liga aber bisher nur aus dem TV-Gerät oder von der Playstation her kennt.

Gefährliche Startphase im Jahr 2019

Aus dem heutigen Blickwinkel sind die Neuverpflichtungen durchaus namhafte Verstärkungen und so wäre es eine noch größere Katastrophe als bereits zuvor, sollte der 1. FC Köln mit diesem für die zweite Liga als „Premiumkader“ zu bezeichnenden Personal den Aufstieg verpassen. Danach sieht es aber aktuell nicht aus. Platz Zwei mit nur einem Punkt Rückstand auf den führenden HSV und 5 Punkte Vorsprung auf Platz vier, das hört sich vielversprechend an. Allerdings darf sich die Geißbock-Elf keinen Fehlstart erlauben, was bei Gegnern wie bei Mit-Konkurrent Union Berlin, Erzgebirge Aue und dann daheim gegen St. Pauli nicht einfach wird. Auch weil nach wie vor einige Spieler ihre Wunden lecken und verletzt ausfallen. Höger, Koziello und Schaub stehen auf dieser Verletztenliste, dazu ist Nationalspieler Jonas Hector beim wichtigen Top-Spiel bei Union Berlin gelbgesperrt. Doch die durch die Transfers nun noch größere Breite des Kaders kann nun zur großen Stärke werden, der FC kann diverse Verletzungen kompensieren und geht trotz der prominenten Ausfälle nominell weiter favorisiert in die Spiele.

Modeste, Modeste ... was wird aus Modeste?

Demnächst wieder " Spaß mit die Franzos´ " ?  Noch ist nichts geklärt.
Demnächst wieder " Spaß mit die Franzos´ " ? Noch ist nichts geklärt.

DAS Winterpausenthema war und ist bis zum jetzigen Zeitpunkt die Personalie Anthony Modeste. Man hatte sich das seinerzeit so schön vorgestellt, auf der 70-Jahr Gala spontan Modeste präsentieren, sich dafür feiern lassen und 14 Tage später sollte das Tor-Phänomen wieder auf die Jagd nach dem berühmten Brillen-Jubel gehen. Doch wie jeder mitbekommen hat, die Sache zieht sich auf unerträgliche Art und Weise. Mittlerweile sind so viele Varianten „wie es weitergeht“ vorstellbar, dass es aktuell wenig Sinn macht, darüber zu spekulieren. Es ist alles drin, von einem Platzen des Wechsels über eine Ablösesumme und weiterem Warten bis zum Sommer … letztlich nervt der Zustand alle Beteiligten und/oder auch die verfahrensunbeteiligten. So lange aus China, von der FIFA, der CAS oder sonstwem, der dazu etwas entscheiden kann, nichts Konkretes kommt, kann man einfach nur abwarten.

 

Um es klar zu sagen, nach wie vor hat der 1. FC Köln alles richtig gemacht, indem er versucht hat, den Top-Torjäger – den man in Liga 1 auch unbedingt braucht – zu bekommen. Es verwundert aber immer noch, wie leichtgläubig man dachte, diesen komplizierten Fall gelöst zu haben. Dies obwohl man bereits Erfahrungen mit dem damaligen Wechsel Modestes hin nach China gemacht hatte, der sich ebenfalls schwierig und langwierig gestaltete. Dabei war und ist dieses Mal die Gemengelage eine deutlich schwierigere.

 

Dennoch präsentierte man Modeste dann in aller Hektik - die Bilder der Transferbekanntgabe im feinen Gala-Ornat belegen dies - auf der 70-Jahr Gala am 17. November. Der Verdacht, dass man dem eigenen Smoking vor allen laufenden Kameras noch zusätzlich großen Glanz verleihen wollte, liegt durchaus nahe. Das wäre sogar legitim, aber nur dann, wenn man sich seiner Sache wirklich zu 100% sicher ist. So war es im Nachhinein einfach zu blauäugig, zu spontan und zu wenig durchdacht. Ganz abgesehen davon, dass nicht wenige ehemalige Vereinsgrößen sich über die Wandlung der „70 Jahre FC-Feier“ zur „Modeste Gala“ kritisch äußerten.

2019 - Jahr der richtungsweisenden Entscheidungen

Will er weitermachen? Präsident Werner Spinner äußert sich derzeit dazu nicht.
Will er weitermachen? Präsident Werner Spinner äußert sich derzeit dazu nicht.

Das Jahr 2019 wird sportlich ein richtungsweisendes für den 1. FC Köln. Der Aufstieg ist ein klares Muss, da stehen alle Verantwortlichen, Spieler und Trainerteam in der Pflicht. Auch wenn der FC ein schwieriges Startpaket vor der Nase hat, mittel- bis langfristig wird man sich durchsetzen können. Der Kader hat für Zweitliga-Verhältnisse einfach zu viel Qualität.

 

Ein anderes Thema ist 2019 die mindestens genauso wichtige und für die nächsten Jahre entscheidende  „Vereinspolitik“. Mag der ein- oder andere nur auf den Fußball fokussierte Fan nun mit den Augen rollen, aber es ist die Vereinspolitik, die man als Ergebnis früher oder später irgendwann auch auf dem Fußballfeld sieht. Daher macht es erschrocken, dass der 1. FC Köln in 20 Jahren tatsächlich sechsmal in die Zweitklassigkeit abgestiegen ist. Ein sehr schlechtes Zeugnis für alle, die beim effzeh in der Zeit Führungsverantwortung hatten.

 

Es sind nämlich nicht immer die anderen, … der DFB und seine Schiris, Oliver Held und der Videobeweis schuld, sondern eben jene Entscheidungsträger, die beim FC einfach zu oft daneben lagen. Darin eingereiht hat sich auch der aktuelle Vorstand, der zum zweiten Male nach 2012 im Jahr 2018 abgestiegen ist. War ihr Anteil im Jahr 2012 extrem gering - man hatte nach der Demission des Vorstands unter Wolfgang Overath gerade erst die Amtsgeschäfte übernommen - so hat man in der Saison 2017/18 oftmals vollverantwortlich die falschen Entscheidungen getroffen. Das Ergebnis ist bekannt.

Vorstand & Mitgliederrat, was wollen die Gremien?

"Ich bin nicht amtsmüde" verriet Vize-Präsident Toni Schumacher im Januar 2019.
"Ich bin nicht amtsmüde" verriet Vize-Präsident Toni Schumacher im Januar 2019.

Diesen Abstieg wollen Spinner, Ritterbach und Schumacher in diesem Jahr durch den sofortigen Wiederaufstieg reparieren um damit wieder an ihre erfolgreichste Zeit zwischen 2014 und Mai 2017 anzuknüpfen. Doch auch wenn der Schritt in die erste Liga gelingen sollte, heißt das nicht, dass es für das Trio – sofern sie wieder antreten wollen - im Herbst bei den Vorstandswahlen weiter geht.

Das Vorschlagsrecht für den neuen Vorstand liegt nämlich bekanntermaßen beim Mitgliederrat und da gilt es abzuwarten, wie dieser sich entscheidet. Schließlich gilt die Mehrzahl dieses im Herbst 2018 neu gewählten Gremiums als durchaus vorstandskritisch, nicht nur wegen des Abstiegs, auch wegen der Art und Weise wie man mit Kritik und Kritikern umgeht, deren Anzahl kleinredet und lediglich dem Ultra-Lager zuteilt. Auch die Stadion-Thematik und die Investorenfrage spielt da sicher eine Rolle. Auf der anderen Seite hat das Präsidium aus der erfolgreichen Ära durchaus noch Kredit bei vielen Fans.

Für dies alles ist es jetzt jedoch noch zu früh, in diese Thematik wird sicher "Zug" reinkommen, sobald das Rennen um den Aufstieg in der einen oder anderen Richtung entscheiden ist. Dies wird der "FC-Stammtisch Talk" mit Interesse beobachten und zur gegebenen Zeit auch thematisch in den Fokus stellen.

Was plant der "FC-Stammtisch Talk" ?

Dez. 2018 - Dialog beim "FC-Stammtisch Talk", mit Thomas Reinscheid (effzeh.com), Ralf Friedrichs, FC-Legende Karl-Heinz Thielen und FC-Mediendirektor Tobias Kaufmann (v.l.)
Dez. 2018 - Dialog beim "FC-Stammtisch Talk", mit Thomas Reinscheid (effzeh.com), Ralf Friedrichs, FC-Legende Karl-Heinz Thielen und FC-Mediendirektor Tobias Kaufmann (v.l.)

Über all diese Themen, über die sportliche Seite, über die vereinspolitische und über alles, was den Fan rund um den 1. FC Köln bewegt, wollen wir auch im Jahr 2019 diskutieren. Während der Saison werden wir uns jeweils einmal im Monat mit interessanten Gesprächspartnern zusammensetzen und unser Credo leben, … nämlich Verein, Fan und Medienlandschaft zum Dialog zu bewegen, bei dem hinterher auch etwas rauskommt. Wir wollen keine reinen „Selfie-Treffs“ sondern Debatten zur Sache! Wir wollen kritisch sein, dabei aber immer konstruktiv, niemals destruktiv. Wir wollen uns einmischen, aber nicht blöde rumquatschen. Und wir wollen den sportlichen Erfolg, also aufsteigen und drinbleiben!

 

… und, wir wollen euch auch im Jubiläumsjahr (im März wird der „FC-Stammtisch Talk“ 10 Jahre jung) Erkenntnisse liefern, die ihr anderswo nicht bekommt. Das ist uns all die Jahre ganz ordentlich gelungen und wir hoffen, dass ihr auch dieses Jahr wieder dabei seid, wenn es wieder heißt: „Herzlich willkommen beim FC-Stammtisch Talk“ …

 

Die erste Ausgabe des Jahres findet am 19. Februar 2019 um 19.30 Uhr im „Brauhaus Stüsser“ statt. Die Gäste werden bald hier bekannt gegeben.

 

Euer Ralf Friedrichs

Mai 2014 - Der FC feiert den Aufstieg. Diesen Moment wollen alle Fans bald wieder erleben.
Mai 2014 - Der FC feiert den Aufstieg. Diesen Moment wollen alle Fans bald wieder erleben.